Fragen an den Obernkirchener Bürgermeister-Kandidat Martin Drelichowski (SPD): SZLZ-Interview mit Martin Drelichowski
Was ist derzeit positiv in Obernkirchen?
Obernkirchen hat viele Stärken: Unternehmen und Arbeitsplätze, engagierte Vereine und Feuerwehren, lebendige Ortschaften, eine attraktive Innenstadt und viele Menschen, die Verantwortung übernehmen. Hinzu kommen Projekte wie „Perspektive Innenstadt“, der Solar-Carport und Photovoltaik auf kommunalen Gebäuden. Darauf möchte ich aufbauen und eine klare Strategie entwickeln.
Was macht die derzeitige Bürgermeisterin Dörte Worm-Kressin (parteilos) in ihrem Amt gut?
Ich halte nichts von pauschalen Bewertungen. Dörte Worm-Kressin hat Stadtentwicklung und Klimaschutz mit konkreten Projekten verbunden, die Wirtschaftsförderung begleitet und trotz schwieriger Bedingungen einen genehmigten Doppelhaushalt für 2025 und 2026 erreicht. Entscheidend ist, welche Schwerpunkte wir künftig setzen.
Was muss in Obernkirchen verbessert werden?
Obernkirchen braucht eine klare Richtung und ein ausgewogenes Miteinander von Kernstadt und Ortschaften. Ein Stadtentwicklungsplan soll zeigen, welche Ziele Vorrang haben und finanzierbar sind. Bürgerinnen und Bürger brauchen feste Ansprechpartner. Ein Bürgerhaushalt soll Finanzen und Projekte verständlich machen. Die Ortschaften müssen frühzeitig einbezogen werden.
Warum wollen Sie Bürgermeister werden?
Ich möchte Bürgermeister werden, weil ich Obernkirchens Zukunft gestalten und Verantwortung übernehmen will. Meine Erfahrungen in Politik, Verwaltung, Rettungsdienst und im elterlichen Betrieb haben mich gelehrt, zuzuhören und klar zu entscheiden.
Ich möchte Menschen zusammenbringen und Ideen umsetzen. Dabei will ich ansprechbar im Rathaus, präsent in den Ortschaften und offen für unterschiedliche Sichtweisen sein.
Was sind Ihre drei vordringlichsten Wahlziele, die Sie als Bürgermeister umsetzen möchten?
Erstens möchte ich die finanzielle Handlungsfähigkeit sichern und die Verwaltung entlasten. Ein Finanz-, Organisations- und Projektcheck soll Strukturen, Kosten und Abläufe überprüfen. Es geht um sinnvolle Prioritäten und einen wirksameren Mitteleinsatz. Solide Finanzen schaffen Handlungsspielräume und sichern freiwillige Leistungen.
Zweitens möchte ich Familien, Kinder und Jugendliche stärken. Dazu gehören moderne Schulen, Kitas und Betreuungseinrichtungen, zeitgemäße Bedingungen, sichere Wege sowie gute Spiel-, Sport- und Begegnungsmöglichkeiten. Kinder und Jugendliche sollen mit Schulen, Kitas und Betreuungseinrichtungen, Eltern und Vereinen beteiligt werden.
Drittens möchte ich Kernstadt, Ortschaften und Wirtschaft gemeinsam weiterentwickeln. Dazu gehören ein aktives Leerstandsmanagement, neue Nutzungen sowie gute Perspektiven für die Ortschaften. Unternehmen sollen bei Investitionen und Betriebsnachfolgen unterstützt werden. Zusätzliche Gewerbeflächen kommen dort infrage, wo bestehende Möglichkeiten nicht ausreichen und Obernkirchen langfristig profitiert.
Bei Ihrer Nominierung als Bürgermeister-Kandidat haben Sie laut einer Presseinformation der SPD Obernkirchen deutlich gemacht, wofür Sie unter anderem stehen: für eine verlässliche Stadtentwicklung, lebendige Ortsteile, eine ehrliche Finanzpolitik; für mehr Unterstützung fürs Ehrenamt und Vereine, eine attraktive Innenstadt und für gute Rahmenbedingungen für Unternehmen. Erklären Sie bitte hierzu konkret, was Sie mit diesen Aussagen meinen:
Was ist eine „verlässliche Stadtentwicklung“? Ist die Stadt Obernkirchen diesbezüglich nicht verlässlich?
Ich würde nicht sagen, dass die Stadt Obernkirchen nicht verlässlich ist. Mir geht es darum, Stadtentwicklung planbarer, nachvollziehbarer und verbindlicher zu gestalten. Dazu gehören klare Ziele, realistische Planung und früh geklärte Zuständigkeiten. Rat, Verwaltung und Bürgerschaft sollten frühzeitig einbezogen werden.
Fördermittel sind nur sinnvoll, wenn Projekte zu Obernkirchen passen und Eigenanteile sowie Folgekosten tragbar bleiben. Über Fortschritte sollte regelmäßig informiert werden. Vorhaben müssen bis zum Abschluss begleitet oder nachvollziehbar beendet werden.
Wie wollen Sie für „lebendige Ortsteile“ sorgen?
Die Stadt muss Engagement vor Ort unterstützen und die Ortsräte und -Bürgermeister stärken. Ich möchte kleinere Projekte unbürokratisch ermöglichen, bei Förderanträgen unterstützen und regelmäßig in den Ortschaften präsent sein. Wichtig ist mir eine enge Zusammenarbeit mit den Ortsräten, damit Anliegen frühzeitig aufgenommen werden.
Für Straßen und öffentliche Gebäude braucht es einen Maßnahmenplan sowie planbare Mittel für kleinere Vorhaben. Über deren Umfang entscheidet der Rat.
Was ist eine „ehrliche Finanzpolitik“? Ist die Finanzpolitik in Obernkirchen nicht ehrlich – und woran machen Sie dies fest?
Ich unterstelle niemandem eine unehrliche Finanzpolitik. Mir geht es darum, finanzielle Entscheidungen transparenter und nachvollziehbarer zu machen. Vor Entscheidungen muss klar sein, was ein Projekt kostet, welche Risiken entstehen und wie es den Haushalt langfristig belastet. Dafür braucht es klare Planung und Finanzberichte.
Obernkirchen kann sich nicht allein gesundsparen. Vorhandene Mittel und Fördermöglichkeiten müssen gezielt genutzt werden. Solide Finanzen entstehen durch eine enge Zusammenarbeit von Rat und Verwaltung. Nur so bleiben auch freiwillige Leistungen erhalten.
Wie wollen Sie das Ehrenamt und die Vereine mehr unterstützen? Woher wollen Sie das hierfür gegebenenfalls erforderliche Geld nehmen?
Ehrenamt und Vereine brauchen kurze Wege, wenig Bürokratie und feste Ansprechpartner. Vereinsgespräche, Unterstützung bei Förderanträgen, verständliche Regelungen für die Nutzung von Räumen und Flächen sowie ein gemeinsamer Veranstaltungskalender sollen die Zusammenarbeit erleichtern.
Vieles erfordert weniger Geld als eine pragmatische Verwaltung. Wo finanzielle Unterstützung nötig ist, sollen Fördermöglichkeiten genutzt werden.
Wie wollen Sie die Innenstadt attraktiver machen? Was wird das kosten? Reichen die vom derzeitigen Stadtrat beschlossenen Maßnahmen nicht aus?
Die bereits beschlossenen Maßnahmen sind eine wichtige Grundlage. Für eine attraktive Innenstadt braucht es weniger Leerstand und mehr Leben. Deshalb möchte ich Eigentümer, Gastronomen und Gewerbetreibende stärker einbinden und neue Nutzungen für Wohnen und Gewerbe fördern. Veranstaltungen sollen die Innenstadt zusätzlich beleben.
Konkrete Kosten lassen sich erst beziffern, wenn Maßnahmen feststehen. Größere Vorhaben dürfen nur umgesetzt werden, wenn Finanzierung und Folgekosten gesichert sind.
Was sind „gute Rahmenbedingungen für Unternehmen“? Was würden Sie ändern wollen?
Gute Rahmenbedingungen bedeuten für mich schnelle Entscheidungen, feste Ansprechpartner, eine leistungsfähige Infrastruktur sowie gute Voraussetzungen für Fachkräfte und Wohnraum. Wirtschaftsförderung ist für mich Chefsache.
Ich möchte Unternehmen regelmäßig besuchen sowie Investitionen und Betriebsnachfolgen begleiten. Entscheidend ist, dass Unternehmen eine klare Ansprechperson haben und zügig erfahren, was möglich ist.
Wir haben noch weitere Fragen:
Stichwort klamme Haushaltslage der Stadt: Wo würden Sie den Rotstift ansetzen? In welchen Bereichen könnte die Stadt Geld einsparen – und wie viel?
Den Rotstift würde ich nicht pauschal bei einzelnen Angeboten ansetzen. Mein Ziel ist, die Unterstützung für Feuerwehren, Vereine, Jugendarbeit und Kultur dauerhaft zu sichern. Einsparpotenziale sehe ich bei Energie- und Gebäudekosten, Verträgen, Beschaffung und Verwaltungsabläufen. Beispielsweise senken auch Digitale Verfahren Kosten.
Wie hoch die Einsparungen tatsächlich sein können, muss ein Finanz-, Organisations- und Projektcheck zeigen. Konkrete Summen zu versprechen, bevor alle Zahlen und vertraglichen Bindungen vorliegen, wäre unseriös.
Welche Möglichkeiten sehen Sie, die Einnahmen der Stadt zu steigern?
Die Einnahmen der Stadt lassen sich durch eine starke Wirtschaft, Arbeitsplätze, Wohnraum und die bessere Nutzung kommunaler Grundstücke und Gebäude stärken. Dazu gehören Unternehmensentwicklung, Betriebsnachfolgen, Investitionen und die Aktivierung von Leerständen.
Ein professionelles Fördermittelmanagement kann den Haushalt entlasten und Investitionen ermöglichen. Investitionen, Wohnraum und entwickelte Flächen stärken langfristig die finanzielle Basis Obernkirchens.
Braucht Obernkirchen zusätzliche Gewerbeflächen? Wenn ja, wo könnten die zusätzlichen Gewerbeflächen geschaffen werden?
Vorrang haben die Weiterentwicklung bestehender Standorte, erschlossene Flächen und die Unterstützung ansässiger Unternehmen. Zusätzliche Gewerbeflächen kommen dort infrage, wo bestehende Möglichkeiten nicht ausreichen, ein konkreter Bedarf besteht und Obernkirchen langfristig profitiert.
Was würden Sie für den Klimaschutz machen? Und wie würden Sie das finanzieren?
Ich möchte auf begonnenen Maßnahmen aufbauen: Energieeinsparungen in Gebäuden, Photovoltaik, kommunale Wärmeplanung, Hitze- und Hochwasserschutz sowie sichere Fuß- und Radwege.
Klimaschutz muss ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich verantwortbar sein. Maßnahmen sollen langfristig Nutzen bringen und Betriebskosten senken.
Was würde sich in der Stadtverwaltung konkret ändern, wenn Sie Bürgermeister werden sollten?
Ich möchte eine bürgernahe und lösungsorientierte Verwaltung mit klaren Zuständigkeiten, verbindlichen Rückmeldungen, mehr digitalen Angeboten und Bürgermeistersprechstunden im Rathaus und in den Ortschaften. Bei wichtigen Projekten sollen Rat und Bürgerschaft regelmäßig informiert werden.
Gute Führung bedeutet für mich, Ziele vorzugeben, Verantwortung zu übertragen und der Fachebene zu vertrauen. Entscheidungen müssen gut vorbereitet und Probleme frühzeitig gelöst werden.
Warum sollten Sie Ihrer Meinung nach zum Bürgermeister gewählt werden?
Ich bin überzeugt, dass Obernkirchen alles mitbringt, um sich gut weiterzuentwickeln. Dafür möchte ich Verantwortung übernehmen und unsere Stadt gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern Schritt für Schritt voranbringen.
Ich möchte ein Bürgermeister sein, der Orientierung gibt, Entscheidungen verständlich erklärt und gemeinsam mit Rat, Verwaltung, Unternehmen, Vereinen, den Ortschaften und der Bürgerschaft gute Ideen Wirklichkeit werden lässt.